Chronik der Feuerwehr Pöls

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Seit einhundert Jahren besteht die freiwillige Ortsfeuerwehr von Pöls.

 

Die Geschichte der Ortsfeuerwehr beginnt im Jahre 1902. Am 9. Mai jenes Jahres beschlossen einige einflussreiche Ortsbewohner unter der Führung des damaligen Direktors des Pölser Sensenwerkes, Wilhelm Atteneder, eine Freiwillige Feuerwehr zu gründen. Wilhelm Atteneder gelang es in kürzester Zeit 42 aktive Mitglieder anzuwerben. Der Großteil dieser Männer waren Sensenschmiede aus dem Betrieb Direktor Atteneders. Dieser Umstand wirkte sich besonders günstig aus, zumal in kürzester Zeit eine einsatzbereite Mannschaft zur Verfügung stand.

 

Mit der drei Monate später erfolgten Bestätigung der Satzung durch den Gemeindeausschuss, war die Grundlage für den weiteren Aufbau gelegt und der erste Wehrausschuss konnte gewählt werden.


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Bereits am 15. August 1902 erlebte die neugegründete Wehr ihren ersten Einsatz, als beim damaligen Tischler Kohler ein Großfeuer ausbrach. Als Löschgerät diente in den ersten Jahren nach der Gründung eine Aprotz-Spritze(Baujahr1886). Die nächst-folgenden Jahre standen ganz im Zeichen des weiteren Auf- und Ausbaues der Feuerwehr. Bis zum Jahr 1909 gab es weder organisatorische noch einsatzmäßige nennenswerte Vorkommnisse. Am 21.Juni 1909 legte der Direktor Atteneder seine Funktion als Hauptmann zurück.

Der Gemeindesekretär Franz Klampfer war der Nachfolger von Direktor Atteneder. Er bekleidete die Hauptmannstelle über 10 Jahre hindurch. Über diesen Zeitabschnitt schreibt die Feuerwehrchronik von insgesamt 9 Bränden größeren Ausmaßes.
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Mit der 1919 erfolgten Wahl des Gastwirtes Franz Steinberger zum Hauptmann begann die Zeit des inneren Aufbaues der Wehr. Der ursprünglich 16m hohe Steigerturm wurde auf die übliche Normalhöhe von 10m abgetragen. Durch Einnahmen aus Festveranstaltungen und zahlreichen Spenden konnte im Jahre 1921 der erste motorisierte Rüstwagen der Bestimmung übergeben werden.

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Im Winter 1921 brannte der 28m hohe Laugenturm der Pölser Papierfabrik. Die ganze Fabrik und ihre nähere Umgebung waren dadurch äußerst bedroht. Die Löscharbeiten gestalteten sich in Anbetracht der vorherrschenden Kälte und unzureichender Ausrüstung - die Wehr hatte zu diesem Zeitpunkt noch die mit Handbetrieb zu betätigende Pumpe - äußerst schwierig.
Zwei Wochen nach diesem Einsatz starb ein Kamerad der Ortsfeuerwehr an den folgen einer Lungenentzündung.
Im selben Jahr verstarben mit Wilhelm Atteneder und Franz Klampfer zwei der verdienstvollsten Hauptleute der Wehr.
Mit Horn- und Dampfpfeifsignalen der Papierfabrik wurde die Wehr zwischen 1921 und 1923 zu insgesamt sechs Bränden gerufen. Darunter waren der Magazinbrand in der Bahnstation Thalheim, sowie der Brand der Baracken oberhalb von Götzendorf.
Im Jahre 1924 wurde die Motorisierung und Verbesserung der Ausrüstung mit dem Erwerb einer Kraftspritze der Firma Kernreuter ( Pumpenleistung 660 Liter) weiter vorangetrieben.1927 wurde der 1921 erworbene und inzwischen bereits überaltete Martini 35 gegen einen LKW der Type W.A.F. (42 PS) umgetauscht.

Auf Initiative von Franz Ganster erfolgte 1932 die Gründung des Löschzuges Götzendorf. Zu dessen Leiter wurde Karl Beer bestimmt. Im selben Jahr wurde bei der Ortsfeuerwehr durch die Anschaffung einer Sirene die Alarmierung der Wehrmänner erheblich verbessert.

 

Von der Firma Rosenkranz in Linz kaufte man im Jahr 1934 einen mit 20 Sitzplätzen ausgestatteten Mannschaftswagen der Marke Austro Fiat. Die Finanzierung dieses dringend erforderlichen Fahrzeuges erfolgte in Form der Aufnahme von Anleihen bei den Geschäftsleuten und Landwirten des Ortes. Im Mai 1938 verursachte die Schneeschmelze in Verbindung mit einem Unwetter in unserer Gemeinde ein arges Hochwasser. Die Feuerwehrmänner mussten mehrere Tage hindurch unter größter Anstrengung Sicherungs-, Bergungs- und Aufräumungsarbeiten durchführen.

 

1939 wütete am Holzlagerplatz der Papierfabrik in Sauerbrunn ein fürchterlicher Brand. 4500 fm Holz standen in Flammen. Die Ortsfeuerwehr versuchte verzweifelt mit weiteren 24 Feuerwehren aus der näheren und weiteren Umgebung der Flammen Herr zu werden.

 

Der große Abgang an Wehrmännern, die bei Kriegsbeginn einrücken mussten, machte die Aufrechterhaltung einer den Anforderungen entsprechenden Feuerwehr äußerst schwierig. Dennoch gelang es den zurückgebliebenen älteren Wehrmännern mit den kriegsdienstverpflichteten Frauen und Mädchen unter der umsichtigen Führung von Hauptmannstellvertreter Viktor Strucker und Übungsleiter Schlager mit allen Problemen fertig zu werden. Der Fahrermangel in den Kriegsjahren war ein großes Problem. So konnte man, bis zu diesem Zeitpunkt einzigartig, bei Einsatzfahrten auch eine Frau am Steuer des Austro Fiat beobachten. Frau Katharina Weiß, Frächtersgattin, besaß die Bewilligung und die Praxis zum Lenken eines LKW.

 

1942 konnte eine Tragkraftspritze RM 80 von der Firma Rosenbauer in den Dienst gestellt werden.

 

Nach sechsjähriger zwangsweiser Unterbrechung wurde am 24.2.1946 erstmals wieder eine Hauptversammlung abgehalten.

 

Am 1. August 1948 wurde im Zuge eines Feuerwehrfestes, der aus den Beständen der englischen Besatzungsmacht erwobener Rüstwagen " Kanada Ford", eingeweiht. Nachdem der Rüstwagen seiner Bestimmung übergeben wurde, besaß die Wehr neben dem Austro Fiat nunmehr zwei Einsatzfahrzeuge.

 

Ab 1957 begann wieder eine Periode der Modernisierung! Der bereits 1934 erworbene Austro Fiat entsprach nicht mehr den Anforderungen und wurde zu einem minimalen Anerkennungspreis abgestoßen. Dafür konnte ein völlig neuer Rüstwagen (Steyr Diesel 380) in Betrieb genommen werden. Für die Finanzierung kamen das Land Steiermark und die Gemeinde Pöls auf.

 

1962, dem Jahr des 60-jährigen Bestandes wurde das Rüsthaus einer eingehenden Renovierung unterzogen.

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Seit 1969 stand die Ortsfeuerwehr unter der Leitung von Franz Lautischer.
Dem von großem Idealismus getragenen Einsatz von Franz Lautischer ist es zu verdanken, dass sich die Ortsfeuerwehr mit hohem Ausbildungs- und Ausrüstungstand präsentieren konnte.
1972 wurden mit einer "Holzaktion" die finanziellen Mittel für den Ankauf des ersten Tanklöschfahrzeuges erarbeitet. Der nächst Modernisierungsschritt war der Ankauf einer Tragkraftspritze (TS 8VW) und drei mobiler Funkgeräte. 1975 schenkte die Partnergemeinde Mainhausen der Ortsfeuerwehr ein Tanklöschfahrzeug.
1976 wurden drei Stück umluftunabhängige Atemschutzgeräte (Pressluftatmer) gekauft und später um weitere zwei Geräte aufgestockt.
Ein Notstromaggregat, das die Feuerwehr 1977 erhielt, erleichterte die Einsatzarbeit bei Nachteinsätzen.
Ein gebrauchter VW- Bus, welcher im selben Jahr angeschafft wurde, diente als Kommando- und Mannschaftstransportfahrzeug.
Das 1982 angekaufte TLF 4000 / A (Tanklöschfahrzeug), sowie die Einführung von Rufempfängern (Pager) gelten wohl als Höhepunkte in der Ära Lautischer/Simbürger. Der in die Jahre gekommene Rüstwagen (Steyr 380) wurde durch ein nach den neuesten technischen Erkenntnissen ausgestatteten Kleinlöschfahrzeug (KLF) ersetzt.

Die hohe Zahl an Verkehrsunfällen gaben den Ausschlag für den Ankauf eines hydraulischen Bergewerkzeuges, welches seit 1991 im Einsatz der Ortsfeuerwehr steht. 1993 wurde ein neues Kommando- und Mannschaftstransportfahrzeug angeschafft (Toyota), welches den VW-Bus auf Grund mangelnder Verkehrs- und Betriebssicherheit ersetzte.#

 

Platznot, schlechte Beleuchtung, so gut wie keine Reparaturmöglichkeiten und unzureichende Sanitäranlagen waren die Gründe für einen Umbau bzw. Neubau des Rüsthauses. Dank des großartigen Einsatzes von Hauptbrandinspektor Franz Lautischer und der Zustimmung der Gemeinde Pöls, konnte 1994 mit dem Bau des neuen Rüsthauses begonnen werden, welches 1995 offiziell seiner Bestimmung übergeben wurde.

 

Mit der Rüsthausübergabe wurde das Ende, an der Führungsspitze der Ortsfeuerwehr eingeläutet. Am 24.Februar 1996 wurden, nach dem Verzicht auf die Wiederkandiatur des erfolgreichen Kommandoduos, Neuwahlen des Vorstandes durchgeführt.


Als neues Kommando wurden, zum Kommandanten Krenn Karl und zu dessen Stellvertreter Weihs Ferdinand gewählt. Mit dieser Wahl fand gleichzeitig ein Generationswechsel statt. Die neuen Kommandanten waren bereits unter ihren Vorgängern als Jungfeuerwehrmänner der Feuerwehr beigetreten und die Karriereleiter mit Idealismus und Einsatzfreude bis in das Kommando der Ortsfeuerwehr empor geklettert.
Steigende Einsatzstatistiken (durchschnittlich ca.100 Einsätze pro Jahr) forderten ein forcieren der Übungs- und Schulungstätigkeiten. Für Kursbesuche in der Feuerwehrschule werden von den Kameraden der Ortsfeuerwehr jährlich insgesamt 80 - 110 Tage ihrer Freizeit aufgewendet. Das ist ein deutliches Zeichen dafür, welchen Einsatz die Männer der Freiwilligen Ortsfeuerwehr aufwenden, um der Bevölkerung von Pöls ein Gefühl von Sicherheit zu vermitteln.

 

Wenn unsere Feuerwehr zu einen Brandeinsatz gerufen wird, dann richten vor allem Wirtschschaftsgebäudebrände, Küchen- und Zimmerbrände beachtliche Schäden an.


Wobei Brand- und Hochwassereinsätze, welche die Hauptaufgaben in der Gründerzeit waren, heutzutage nur einen Buchteil der Einsätze darstellen. Der Großteil der Einsätze ist technischer Natur. Unzählige Verkehrsunfälle und das Retten von Personen aus einer Zwangslage, sowie Suchaktionen in Kooperation mit anderen Einsatzorganisationen - Bergrettung, Alpingendarmerie, Wasserrettung und Rotes Kreuz, sind Hauptaufgaben in unserer Zeit. Einen

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Mit dieser Vielfalt an Einsatzvarianten wurde es auch erforderlich, die Ausrüstung der Feuerwehr auf den neuersten Stand der Technik anzupassen. So wurde mit Unterstützung der Gemeinde die komplette Feuerwehr mit neuen Uniformen und Helmen ausgestattet, um den Feuerwehrkameraden ein Mindestmaß an Sicherheit bei ihren Einsätzen zu gewährleisten. Um Einsätze auf der Mur und im Staubereich Kraftwerk Pöls bewältigen zu können, wurde ein Schlauchboot mit Außenbordmotor angeschafft, welches wir schon einige Male einsetzen mussten.
Auch die Tragkraftspritze (Feuerwehrpumpe) musste auf Grund ihres hohen Alters durch eine dem Stand der Technik entsprechende ersetzt werden.


2001 fanden in der Freiwilligen Feuerwehr Pöls-Ort Neuwahlen des Kommandos stand. OBI Weihs Ferdinand legte seine Funktion als Kdt.- Stellvertreter aus beruflichen Gründen zurück. Diese Funktion wir ab diesem Zeitpunkt von Eder Armin bekleidet.


Mit der Unterstützung der Gemeinde Pöls, des Landes, der Mitglieder der Wehr und nicht zuletzt auch der Bevölkerung von Pöls, ist es der Wehr gelungen, sich ausrüstungsmäßig in großem Maße den Erfordernissen der heutigen Zeit anzupassen.


Wenn im Juni dieses Jahres die Freiwillige Ortsfeuerwehr Pöls ihr 100 jähriges Bestehen mit der Übergabe eines Fahrzeuges (KRF-A B) im Rahmen eines Bezirksfeuerwehrtages feiert, geschieht dies in der Hoffnung, dass sich die selbstlose Gemeinschaft dieser Freiwilligen Feuerwehr auch in Zukunft gedeihlich entwickeln kann.

 

Gut Heil !